EU Taxonomie

Was ist nun unter 'nachhaltig' zu verstehen? Da gehen die Meinungen bisweilen weit auseinander. Die EU Taxonomie soll einheitliche Standards definieren.


EU Taxonomie

Die Europäische Union unterstützt die Erreichung der 17 SDGs der UNO, hat allerdings eigene Ziele im Umweltbereich definiert, denn diese richten sich an Unternehmen, deren Aktivitäten als ‚nachhaltig‘ gelten wollen.

EU_Umweltziele.png

Um endlich Klarheit zu schaffen, was denn nun ‚nachhaltig‘ ist und was nicht, wurde im März 2020 die finale Version einer ersten Taxonomie‘ für die ersten zwei EU-Umweltziele (Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) veröffentlicht und mit 01.01.2022 in Kraft gesetzt.

Taxonomie_2021.png

Dabei handelt es sich um eine Liste von technischen Kriterien, die für jede wirtschaftliche Aktivität festlegen, welche genauen Maßzahlen eine Aktivität erfüllen muss, damit sie als nachhaltig gilt. Sie schafft damit vor allem Klarheit.

Und damit auch politische Diskussionen: Die Expertengruppe (TEG), die die Taxonomie erstellt hat, stuft die Erzeugung von Energie aus Atomkraft weder als nachhaltig, noch als nicht nachhaltig ein und verlangt weitere wissenschaftliche Ergebnisse vor einer Entscheidung. Dies ist deshalb von enormer politischer und wirtschaftlicher Tragweite, weil geplant ist, Nachhaltigkeitsausgaben der europäischen Staaten von den Maastricht-Kriterien auszunehmen.

Leider hat das EU-Parlament im Juni 2022 den Vorschlag der EU-Kommission, wonach Investitionen in Atomkraft und Erdgas - entgegen dem Rat renommierter Wissenschafter:innen - als nachhaltig gelten sollen, zugestimmt. Die neue Verordnung wird also voraussichtlich 2023, dann auch gleich mit den restlichen vier Umweltzielen, in Kraft treten. Ein herber Beigeschmack für alle, die hofften, dass die EU-Taxonomie, die ja auch als Basis für das EU-Ecolabel dienen soll, ernsthafte und nachvollziehbare Richtlinien für echt nachhaltige Investitionen schaffen würde.

An einer EU-Sozialtaxonomie wird gearbeitet, Entwürfe liegen bereits vor; der Druck der EU-Kommission in diese Richtung ist jedenfalls positiv.