Greenwashing

 

Seit Nachhaltigkeit 'in' ist und zum Verkaufsargument wurde, werden unzählige Finanzinstrumente mit der Bezeichnung 'nachhaltig' versehen und 'grün gewaschen'. Allzu oft ist Greenwashing leider nur für Profis erkennbar.

 
Mehr Daten, mehr Verwirrung

An sich sollte mehr Information zu besseren Entscheidungen führen. Es drängen mehr und mehr Datenanbieter auf den Markt und bieten immer noch neuere und noch bessere Daten zu nachhaltigen Investments an. Leider definieren etliche Anbieter 'Nachhaltigkeit' nach eigenen uneinheitlichen Kriterien und führen damit zu unterschiedlichen Bewertungen und Ergebnissen.
Die Verwirrung nimmt daher zu!

 
Einheitliche Taxonomie geplant, allerdings schwierig

 

Die Europäische Kommission hat sich schon 2018 darauf geeinigt, an einer einheitlichen europaweiten Definition (Taxonomie) für Kriterien zur Nachhaltigkeit im Finanzwesen zu arbeiten. Dies gestaltet sich allerdings einigermaßen schwierig und wird bis zur vollständigen Definition womöglich noch länger dauern. Dies liegt einerseits an völlig unterschiedlichen Standpunkten, wie z.B. das Klima oder die Umwelt geschützt werden können (bspw. mit oder ohne Atomkraft?). Andererseits müssen sich auch wirklich alle Akteure an einheitliche Reporting-Standards halten, wenn diese einmal erstellt sein sollten. 


Labels oder Umweltzeichen als Lösung?

Deshalb gibt es seit geraumer Zeit 'Labels' oder 'Umweltzeichen'. Diese sollen es leicht erkennbar machen, ob ein Investment nachhaltig ist oder nicht. Leider gibt es bislang nur wenige verlässliche Zertifikate. Meist sind diese nur regional, weswegen große Investmenthäuser oft auf die Zertifizierung in kleinen Märkten (z.B. Österreich) verzichten.
Hier würde ein EU-Umweltzeichen bedeutend helfen!


Aktuelle Lösung

Eine erste Lösung ist die 'Taxonomie-Verordnung 2019/12': Wann ist eine Investition ökologisch nachhaltig?

Wenn sie wesentlich zur Verwirklichung eines oder mehrerer von sechs Umweltzielen (s.u.) beiträgt und auch kein anderes erheblich beeinträchtigt! Investitionen in Kohle werden als nicht ökologisch nachhaltig gesehen. Bei Atomkraft gibt es noch keine eindeutige Aussage. Mit Stand August 2021 beschränkt sich die Taxonomie noch auf die Definition der zwei Ziele 'Klimaschutz' und 'Anpassung an den Klimawandel'...

Taxonomie_2021.png

Ausblick

 

Die Beurteilung (das Rating) von Umweltkriterien bzw. auch umweltbezogener Risiken kann immer nur so gut sein, wie die Qualität der dafür herangezogenen Daten. Gerade hier tut sich doch einiges: die Zahl an Nachhaltigkeitsberichten nach TCFD- (Task-Force on Climate-related Financial Disclosures) oder SASB- (Sustainability Accounting Standards Board) Standards wächst ständig und rasch.
2020 ist diese Zahl um 363% gestiegen...

Dies ist ein ermutigendes Zeichen; so kann es gelingen, konsistente, verlässliche und wesentliche Informationen zur Nachhaltigkeit von Unternehmen zu bekommen und Greenwashing endlich ein Ende zu bereiten!