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Ist Nachhaltige Geldanlage nur eine Modeerscheinung?

Eine Art Backlash zieht sich durch die mediale Berichterstattung: Umwelt- und Klimaschutz auf dem Rückzug! Glaubt man einigen Umfragen, dann verliert auch nachhaltige Geldanlage an Attraktivität. Beim heurigen Fondskongress in Wien war ESG weit weniger prominent vertreten als noch vor zwei Jahren.


Was ist da los?


Nach Corona schien zunächst alles grün – von der Politik bis zu den Investments. Kaum ein Anbieter, der nicht auch „grüne, nein dunkelgrüne“ Investments im Angebot hatte – die Marketingabteilungen arbeiteten auf Hochtouren. Zunächst schien das Konzept aufzugehen: die Mittelzuflüsse waren enorm, die Kurssteigerungen hoch, die Erfolge groß.


Greenwashing war leider allzu oft an der Tagesordnung. Die Skepsis gegenüber dem Finanzsektor, speziell ESG-Fonds, ESG-Ratings und Green Bonds wuchs und führte zu Abflüssen aus nachhaltigen Veranlagungen.


Auch die weiterhin unterbrochene Lieferketten, steigende Inflation, der Krieg in der Ukraine, die Energiekrise und die daraus resultierenden Zinserhöhungen hinterließen tiefe Spuren in unseren Wirtschaftssystemen, besonders in den Zukunftsbranchen, und in unseren Köpfen. „Risk-Off“ war vielfach die Devise und damit wurden nachhaltige Geldanlagen abermals abgestoßen und die zunächst erzielten Kurgewinne brachen ein. Mit der jüngst wieder steigenden Zuversicht der Menschen hat ein neues Thema die Anleger:innen erobert: Künstliche Intelligenz.


Dieses Thema ist gewiss interessant, keine Frage. Von der Finanzindustrie ist es dankend aufgenommen worden, ist es doch auch viel leichter zu verkaufen. Da gibt es keine „bürokratischen“ Hürden wie Taxonomie oder Offenlegungsverordnung, keine Green Claims Directive usw. – alles Themen, die die Transparenz für Anleger:innen erhöhen sollten. Auch die Berater:innen und die vielen Verkäufer:innen müssen sich nicht mehr eingehend mit dem anstrengenden Thema „Nachhaltigkeit“ beschäftigen…


Gleichzeitig müssen wir mitansehen, wie die Klima- und Biodiversitätskrise ungebremst voranschreitet: „Alarmstufe Rot“ teilt die UNO (WMO) mit. Doch medial gibt es viel zu wenig darüber zu hören und sehen. Das sich immer schneller drehende Nachrichtenkarussell, die von Sensations-Algorithmen befeuerten Online-Medien erlauben nur mehr Schlagzeilen, keine Auseinandersetzung mit den wichtigen Themen – leider auch immer weniger in „klassischen“ Medien.


Doch halten wir kurz inne. Vergessen wir nicht, dass wir uns im Superwahljahr 2024 befinden. Vernunft ist derzeit leider kaum zu erwarten. Weder in den USA, noch in der EU. Populisten sind im Vormarsch und bieten scheinbar einfache Lösungen für eine immer komplexer werdende Welt. Lobbyisten stellen unbegrenzt finanzielle Mittel für (Desinformations-)Kampagnen zur Verfügung. Für schwierigere Themen wie Umwelt & Klima ist da wenig Platz.



Nicht nur die Republikaner unter Donald Trump beschwören die „guten alten Zeiten“ und verklagen mittlerweile Investmentgesellschaften, die nicht in fossile Unternehmen investieren wollen. Nein auch europäische Politiker torpedieren offen den EU Green Deal, boykottieren neue Vorschriften zu Lieferketten und Biodiversität, nur um Stimmung zu machen und Stimmen bei den anstehenden Wahlen zu gewinnen. Sie „spielen“ mit der Verunsicherung vieler Menschen und nehmen bewusst in Kauf, dass (lebens-)notwendige Änderungen auf die lange Bank geschoben werden. Deutsche, belgische, ungarische und leider auch österreichische Politiker verhindern neuerdings jahrelang verhandelte Kompromisse – die sie selbst mitverhandelt hatten! Keine gute Entwicklung…


Natürlich darf man kritisch sein und nicht immer ist alles nachvollziehbar, doch die „EU als Bürokratiemonster“ hat erkannt, dass es besser ist, Strukturen selbst zu ändern, solange dies noch einigermaßen geregelt und demokratisch möglich ist, bevor uns die Physik zwingt, dies ungeordnet und unmittelbar, wahrscheinlich nicht mehr demokratisch, zu tun. Dass dies nach Jahrzehnten der erfolglosen Freiwilligkeit nun mit Vorschriften und Regularien geschieht, schafft einerseits erhöhten Aufwand, doch andererseits vor allem Klarheit und Orientierung. In Demokratien ist das naturgemäß aufwändig und geht meist nur langsam voran – jede zusätzliche und vorsätzliche Verzögerung hilft allerdings nur populistischen und autokratischen Tendenzen.


Denn auch nach den Wahlen sind unsere Lebensgrundlagen massiv bedroht. Solange wir Menschen – vor allem im „globalen Norden“ – unsere Wirtschaftssysteme, unsere Lebensweise, nicht rasch ändern, bringen wir unsere Ökosysteme immer näher an den Rand des Kollaps. Auch die Politik wird das bald wieder erkennen.


Nicht alle Investmenthäuser und Berater:innen haben nachhaltige Geldanlage als „Marketingschmäh“ verstanden. Es gibt auch welche, die sich mit dem Thema eingehend beschäftigt haben und Nachhaltigkeit wirk-lich ernsthaft umsetzen, trotz aller Mühen und Unschärfen. Man muss sie nur finden (wollen). Das tun wir jeden Tag.


Nach dem ersten Hype und der Cool-Down-Phase bleiben die Notwendigkeiten und daraus ergeben sich unglaubliche Chancen, sowohl für kleine und natürlich umso mehr für große Vermögen!


Nachhaltige Geldanlage ist gekommen, um zu bleiben!


Wenn auch Sie Ihren ökologischen Handabdruck vergrößern möchten, wir helfen Ihnen gerne dabei – für uns alle.

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