Jahresrückblick 2025
- zepnik

- 12. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
2025 war ein sehr anstrengendes Jahr. Eine unglaubliche - meist negative - Nachrichtenflut brach über uns herein. Die US-Administration überschlug sich förmlich mit neuen Dekreten und Drohungen, die geopolitischen Verhältnisse schienen sich wöchentlich zu ändern – nicht zuletzt auf Grund der erratischen und widersprüchlichen Entscheidungen des korrupten US-Präsidenten. Europa geriet zusehends unter Druck: Das transatlantische Bündnis dürfte Geschichte zu sein, der schreckliche Krieg vor unserer Haustür belastet nicht nur die europäischen Budgets. Unsere Industrie scheint den Anschluss verschlafen zu haben und bräuchte dringend neue Ideen, Geschäftsfelder und Investitionen. Da erscheint es nur allzu verlockend, erschöpft auf „die gute alte Zeit“ zu setzen, auch wenn diese gar nicht so gut war oder einfach nicht mehr existiert.
Populistische Ideen boomen, mittlerweile sogar auch in den europäischen Volksparteien „der Mitte“. Was da vordergründig gerne mit „Entbürokratisierung“ betitelt wird, ist leider allzu oft der Rückbau des European Green Deals; wenn es nötig erscheint, neuerdings sogar mit Unterstützung extrem rechter oder rechtsextremer Parteien. Doch da könnten wir auch in Österreich vor der eigenen Tür kehren…
Politische Börsen haben kurze Beine
Die Börsen waren von all dem Getöse 2025 jeweils nur kurzfristig beeindruckt. Die heftigen Reaktionen auf Trumps Zölle gegen alles und jeden (2. April) waren sehr rasch wieder wett gemacht. KI (Künstliche Intelligenz) ist der aktuelle Hype und zum Großteil verantwortlich für die Partystimmung an den Börsen. Doch auch das ZEPCON Nachhaltigkeits-Portfolio konnte 2025 wieder an Boden gewinnen und sogar den weltweiten Aktienindex MSCI World mit einer Rendite von 8,5% p.a. um rd. 1,7% übertreffen! In Euro – der für uns entscheidenden Währung – wohlgemerkt, denn neben dem US-Dollar verlor 2025 auch der japanische Yen ordentlich gegenüber dem Euro.

Strategie schlägt Zufall
Die Nachrichtenflut des letzten Jahres brachte auch eine Vielzahl an Veranlagungstipps mit sich. Nach der Wahl Trumps musste man nach der Mehrheit der „Profis“ unbedingt in den USA investiert oder übergewichtet sein. Es kam bekanntlich anders, der US-Aktienmarkt liegt seit dem „Liberation Day“ bspw. noch immer hinter Europa.

Und auch andere „gehypte“ Themen, wie Rüstung, brachten bislang nicht den angekündigten Boom, Bitcoin verlor sogar dramatisch. Lediglich Gold hat noch immer nicht an Glanz verloren.

Nichts Neues, werden Sie vielleicht sagen: Eine sorgfältig ausgearbeitete Strategie und ein darauf abgestimmtes Portfolio funktionieren v.a. mittel- und langfristig immer besser. Doch 2025 waren die Verlockungen für kurzfristige Änderungen besonders groß und es wäre einfacher gewesen, taktisch umzuschichten, als dies nicht zu tun.
Vergangenheit gegen Zukunft
Nachhaltigkeit scheint aktuell wenig attraktiv zu sein. Trump gibt sich einige Mühe, gezielt Stimmung gegen alles „Woke“ zu machen (damit er, seine Familie und einige seiner Freunde und Unterstützer seines Wahlkampfes noch eine Zeit lang Profite einfahren können). Er hat insofern Erfolg damit, als es inzwischen schwierig geworden ist, positive Nachrichten über Nachhaltigkeit zu finden. Das betrifft nicht nur die Politik bis hin zur COP30, sondern auch die Börsen. Dort werden bekanntlich Erwartungen gehandelt, und die sind bei einigen Themen wahrlich gedämpft, nicht nur bei "Nachhaltigkeit", sondern bspw. auch im Gesundheitswesen. Kein Wunder, bei der Wissenschaftsfeindlichkeit dieser Administration…
Doch letztlich wird selbst der Einfluss des US-Präsidenten von Profitstreben begrenzt. So auch bei den Energiequellen. Nicht nur in China boomen Erneuerbare Energien, auch weltweit und sogar in den USA selbst. Dies liegt zum einen am enormen Energiebedarf der Tech-Unternehmen (KI) und zum anderen an den gefallenen Kosten und der raschen Umsetzbarkeit von Solar- und Windenergie:



In Summe war 2025 zwar ein anstrengendes aber auch ein erfolgreiches Jahr. Die Aussichten für 2026 sind politisch weiterhin "außergewöhnlich", doch in puncto Geldanlage lt. den meisten Volkswirt:innen und Analyst:innen wieder einmal gut.
Die Risiken herkömmlicher Geldanlage steigen weiter
Nachhaltige Geldanlage wird auch aus Risikosicht zunehmend im Vorteil sein: ESG-Ratings sind letztlich nichts anderes als Bewertungen für Risiken, die von außen auf die Unternehmen (outside-in) wirken. Die werden leider weiterhin steigen, denn sie gehen nicht einfach weg, auch wenn man sie als "katastrophale Ideologie" leugnet (siehe nationale Sicherheitsstrategie der USA) oder klein reden möchte. Im Gegenteil: Je länger wir unsere planetaren Grenzen überschreiten, umso größer werden auch die Risiken für uns Menschen - und die Unternehmen.

Das sehen übrigens nicht nur die weltweit führenden Klimawissenschafter:innen und ich so, sondern z.B. auch das World Economic Forum (WEF), eine nicht gerade als "links" oder "woke" zu bezeichnende Organisation: 5 von 10 der größten langfristigen globalen Risiken (alle Top 4) sind demnach ökologische.

Geldanlage ist grundsätzlich langfristig zu betrachten; diese Risiken dabei nicht zu beachten, halte ich für verantwortungslos. In Unternehmen zu investieren, die jene Zukunft bedrohen, für die wir sparen, veranlagen oder vorsorgen, ebenso.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten und ein glückliches, erfolgreiches Jahr 2026!
R. Zepnik




Kommentare