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Aus der Praxis: Leo, € 100.000,- und das Do It Yourself - Depot

Aktualisiert: 8. Feb. 2023


Lisa
Leo

Leo hat viel Zeit investiert, um sich schlau zu machen. Er hat etliche YouTube Kanäle abonniert, schließlich ein Online-Seminar gebucht: Das Geld, das er dafür bezahlt hat, werde sich in kürzester Zeit amortisieren! Die € 960,- waren gut investiert: Er weiß jetzt, dass es super easy ist, selbst Vermögen anzulegen und aufzubauen. Leo soll einfach in einen weltweiten ETF investieren, Nachhaltigkeit ist lediglich eine Modeerscheinung und reduziert nur die Streuung. Einen guten Teil seines Geldes soll er in Bitcoin investieren, denn der Finanzcrash ist nicht ganz auszuschließen und die Inflation wäre ja einfach nur die Folge des Misswirtschaftens der Notenbanken und Eliten weltweit. Leo erhält auch einige Vergleichstests zu Online-Brokern und eröffnet ein Depot bei einem deutschen Anbieter, weil der am günstigsten wäre. Dort kann er auch gleich Bitcoin traden! Er hat aber schon ein bisschen schlechtes Gewissen wegen der Nachhaltigkeit. Deshalb investiert er dann doch je ein Drittel in einen ETF auf den MSCI World, in einen ETF „Climate Paris Aligned Umweltzeichen“ – das klingt doch gut! – und schließlich in Bitcoin.


ZEPCON-Finanzanalyse

Leo ist derzeit ziemlich sauer. Sein Depotstand hat sich etwa halbiert: die Aktienmärkte sind nicht so gut gelaufen, und Bitcoin… Ja, der Kurs von Bitcoin ist 2022 um über 63% gefallen. So hat er sich Vermögensanlage dann doch nicht ganz vorgestellt. Aber hey, mit Kryptos kann man auch schnell reich werden, da muss man Kursrückschläge wegstecken! Die massive Pleite von „FTX“, einer der größten Handelsplattformen für Kryptowährungen, schockiert ihn gar nicht, schließlich hat er sein Investment ja in Deutschland und nicht im „wilden Westen“. Wohin er sich wenden würde, wenn mit seinen Bitcoins etwas wäre? An die Depotbank natürlich, die werden das schon regeln. Nein, werden sie nicht: Kryptowährungen wollen gar nicht reguliert sein, daher gibt es auch keinerlei Sicherheit! Dass Bitcoin auch nicht so der Bringer in puncto Umwelt ist, weiß Leo. Sein schlechtes Gewissen war ja auch der Grund für seinen nachhaltigen ETF. Passieren sollte in nächster Zeit nichts, denn eine passende Liquiditätsreserve hat er keine. Das wurde in dem Online-Fragebogen gar nicht gefragt. Und jetzt, so tief im Minus, wolle Leo nicht verkaufen. Dass der weltweite ETF auf den MSCI World zu 70% in den USA investiert ist und dass die Top 12 – Positionen über 20% der Investments ausmachen, hat man ihm so im Online-Seminar auch nicht erzählt.

MSCI World Q4 2022

MSCI World. Stand Q4 2022


Nicht "steuereinfach"...

Zum Jahreswechsel macht sich Leo keinerlei Gedanken über die KESt – die Kapitalertragsteuer – schließlich hat er ja keine Gewinne erzielt. Er bekommt von seinem deutschen Online-Depot einen „Steuerreport“ übermittelt, weiß aber nicht, was er damit anfangen soll. Nach einer Recherche im Internet traut er seinen Augen nicht: Er muss sich um die korrekte Versteuerung in Österreich selbst kümmern. Entweder muss er dazu eine Steuerberatung beauftragen oder er muss sich mühsam um alles selbst kümmern, angefangen bei der Umstellung seiner Steuerveranlagungsform: Er kann jetzt nicht mehr als Arbeitnehmer automatisch veranlagen! Oje, so stellen sich die „geringsten Broker-Kosten im deutschsprachigen Raum“ dann doch als nicht so günstig heraus. "There is no free lunch": echt gratis gibt es nicht. Irgendwie bezahlst du immer...


ZEPCON-Nachhaltigkeitsanalyse

Die Nachhaltigkeit von Bitcoin ist mittlerweile mehrfach dokumentiert: schlecht. Doch wie sieht es mit den ETF von Leo aus? Der MSCI World hat einen CLEANVEST-Score von 4,4 (CLEANVEST ist eine "öffentliche", CLEANVEST PRO eine kostenpflichtige Nachhaltigkeitsdatenbank für Finanzprofis), also unterdurchschnittlich. Wenigstens gibt hier niemand vor, nachhaltig sein zu wollen.

MSCI World ESG Daten

Und wie sieht es mit dem „Climate Paris Aligned Umweltzeichen“ – ETF aus? Die Namensgebung ist jedenfalls bemerkenswert. Von Umweltzeichen keine Spur, doch zumindest handelt es sich um einen dunkelgrünen Fonds nach Art. 9 Offenlegungs-VO mit dem Ziel, „die Treibhausgasemissionen zu reduzieren“. Im Kundeninformationsdokument finden sich auch Angaben zur CO2-Intentistät (22,23 t CO2e) pro Mio. EUR Umsatz. Das ist ein guter Wert! Doch ein CLEANVEST-Score von 5,8/10 bedeutet nur durchschnittlich nachhaltig, v.a. die soziale Komponente kommt mit „Kinderarbeit“ (11%), „Verletzung indigener Rechte“ (24%) und „Diskriminierung von Frauen“ (28%) unter die Räder. Und die Beimischung zum MSCI World kommt so gar nicht zur Geltung, da dieser ETF zu über 71% in den USA und zu 35% in Technologie investiert… Die Top-10 Position machen rund 25% des Investments aus. Diversifikation sieht anders aus.

Cleanvest_PAB

Zusammenfassung

Leo ist leider ein gutes Beispiel für viele Menschen, die auf Geschäftemacher im Internet hereinfallen. Die verkaufen ihre „Hokus-Pokus-Lösungen“ für Probleme, die sie gerne selbst herbeireden, von Crashes bis zum Zusammenbruch des Finanzsystems und verdienen mitunter unglaublich viel Geld damit. Es ist wirklich nicht immer einfach, gute Quellen von schlechten zu unterscheiden, oft sind die Webauftritte gut gemacht.


Sei nicht wie Leo und falle auf Online-Schmähs herein. Ich zeige dir gerne deine Möglichkeiten und erkläre dir dabei ganz genau, wie dein Investment aussehen könnte! Einen ersten Eindruck davon kannst du dir auf meiner Website verschaffen.

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